Menschen versammeln sich vor dem Hauptbahnhof. Das große "LESBEN gegen RECHTS"-Banner ist gut zu sehen. Vorne das weiße Banner "Trans*Inter*Dyke*-March Bremen"
Dyke*

Rede von Freddy | T*I*D* 2018 – lesbisch

Danke für die Möglichkeit, das Skript des Redebeitrags vom 24.08.2018 zu veröffentlichen. Es gilt das gesprochene Wort. Unterschiedliche Schreibweisen entsprechen dem jeweiligen Skript.


Rede von Freddy aus der lebischen Kommunity Bremens

Die lesbische Unsichtbarkeit beginnt mit dem Absprechen und der Abwertung der weiblichen, selbstbestimmten Sexualität.

Das Leben lesbischer, bisexueller und queerer Frauen* führt und endet dann oft in Altersarmut, da Gesellschaft und Wirtschaft „Frauen“ weiterhin vor allem in einer Kombi mit einem Ehemann/PartnEr denken. „Frauenberufe“ sind bei vergleichbarer Qualifikation und Verantwortung deutlich schlechter bezahlt, als „Männerberufe“ – das zeigt der direkte Vergleich von erzieherischen, pflegenden und sozialen Berufen mit Berufen in Industrie und Ökonomie.

Das Geschlecht bestimmt immer noch in hohem Maß über die Zugänglichkeit in bestimmte Berufe oder auch Verantwortungs-Positionen. „Monokultur“, wie sie das Bundesministerium des Inneren 2018 mit seiner ausschließlich mit Männern besetzten Führungsriege „eindrucksvoll“ bewies, ist Folge und Ursache zugleich.

Die Doppeldiskriminierung als Lesbe oder unangepasste / non-konforme Frau bzw. Person kann sich mit weiteren Kriterien multiplizieren: able (ohne Behinderung oder chronische Erkrankung), weiß und akademisch ist sie oft deutlich weniger spürbar, als beispielsweise chronisch erkrankt, als PoC (People of Color) und/oder gering Verdienende z.B. als „ausgemusterte“ Einzelhandelskauffrau* im heutzutage branchen-typischen 450€-Minijob-Verhältnis.

Die Ausgrenzungs- und Fremdbestimmungsmechanismen sind zahlreich:

Das beginnt auf der ganz persönlichen Ebene mit abwertenden Worten und Vorurteilen, steigert sich über Anzüglichkeiten oder Drohungen zu körperlicher oder sexualisierter Gewalt. Gerade war unter dem Hashtag #mequeer eine Menge dazu in den sozialen Netzwerken aus erster Hand zu erfahren und Hannah Gadsby wird für ihr Abschiedsprogramm als lesbische Comedienne weltweit gefeiert, obwohl sie schonungslos und offen von der Realität als unangepasste Frau, als Dyke, erzählt.

(Sozial-)Staatliche Repression zeigt sich darin, dass es uns erschwert wird, Familie zu gründen, wir erleben finanzielle und rechtliche Hürden auf dem Weg zur Reproduktionsmedizin und zur Adoption – trotz #EheFürAlle. Und es ist noch nicht lang her, da haben Gerichte in Deutschland lesbischen Müttern nach ihrem Coming-out und der Trennung vom Vater oder einem männlichen Partner das Sorgerecht aktiv entzogen mit Verweis auf das Kindeswohl. Eine noch nicht aufgearbeitete deutsche Geschichte…

Unsichtbar geblieben sind vergangene und aktuelle lesbische* Themen bislang auch oft in CSD-Kontexten und queeren oder schwul-lesbischen Medien. Erst recht in sogenannten Mainstream-Medien und öffentlichen Debatten.

Wir wollen Lesben, bisexuelle und queere Frauen_ beim Trans*Inter*Dyke*-March Bremen sichtbar, selbstbewusst und solidarisch erleben.

Und darum eine persönliche Anmerkung von mir zum Schluss: Wir haben einen Aufruf gestartet und Euch alle eingeladen, Euch hier zu Wort zu melden. Sichtbarkeit führt dazu, gehört zu werden, Hörbarkeit mündet in die Übernahme von Verantwortung, denn so entsteht Teilhabe und Mitbestimmung. Ich hätte mich sehr gefreut, wenn sich hier auch andere Lesben zu Wort gemeldet hätten und den Schritt von der Sichtbarkeit zur Hörbarkeit gegangen wären. Ich freue mich über die Redebeiträge aus der Community, die noch kommen. Über die Sicht- und Hörbarkeit bisexueller, inter* und trans*-Perspektiven und Erfahrungen. Ich mach es auch gern und hoffentlich gut, für die lesbischen Belange in intersektionaler Verschränkung einzutreten.

Ich wünsche mir für Bremen und für das ganze Land mehr, die sich einbringen und die eingeforderte Verantwortung auch bereit sind, zu tragen und mit Leben zu füllen. Es gab viele vor mir, die das schon getan haben, auch hier in der Stadt. Wo sind die Nachfolgerinnen, die Rückkehrerinnen, die Interessierten und Engagierten für unsere Gegenwart und Zukunft?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s