Trans*Inter*Dyke*-March Bremen

queer-energy – enby-power – bi-visibility


Redebeiträge vom #TID22 zum mit- und nachlesen in unserem Blog.

 

Die Dyke*Marches sind in Europa angekommen. Der größte Dyke*March ist der in Mexiko-Stadt und in Deutschland wuchs die Zahl seit dem Auftakt in Berlin 2015 auf 17 Marches im Jahr 2021. Im Jahr 2022 fand zudem der erste Dyke*March in Lüneburg statt.

In Bremen startete 2018 die Initiative für einen Trans*Inter*Dyke*–March an der Weser. Die Idee ist simpel: Unabhängig von der CSD-Demo treffen wir uns und ziehen zu Fuß einmal durch die Innenstadt, werden sichtbar, bringen unsere Themen und Forderungen auf die Straße. Die Abschlusskundgebung ist ein solidarischer Community-Space mit Open Mic, wo wir einander zuhören, unsere Vielfalt und Solidarität kennenlernen und uns empowern.

2022 fand der #TID22 am 3. September statt. Das war der Tag nach dem Tod von Malte (25) aus Münster, der beim CSD Münster eine Woche zuvor niedergeschlagen worden war. Der trans Mann hatte solidarisch interveniert, als andere Teilnehmende lesbenfeindlich beleidigt worden waren. Der Trans*Inter*Dyke*-March 2022 war darum auch ein Ort und eine Gemeinschaft des Gedenkens und der Trauer. Außerdem wurden die beim #TID22 gesammelten Spenden an die Initiative „Support Mika“ für die lebensnotwendige medizinische Versorgung von Mika weitergegeben.

Uns ist es ein Anliegen, möglichst viele Barrieren zu reduzieren. Daher haben wir auch 2022 eine kurze Strecke mit maximaler Sichtbarkeit gewählt. Treffpunkt war um 15:30 am Brill. Von dort ging es weiter in die Innenstadt zur Bürger*innenschaft für eine Zwischenkundgebung. Die Abschlusskundgebung und Open Mic fand am Abschlussort im Park gegenüber von Kunsthalle und Stadtbibliothek statt.


Trans*, inter* Personen und Dykes* verbindet uns, dass wir in mehrfacher Form durch Sexismus und Heteronormativität begrenzt werden (sollen) in unserer Selbstbestimmung und freien Entfaltung. Das Patriarchat bedient sich des Cistems und der dyanormativen Zurichtung, um die Zweigeschlechter-Ordnung aufrecht zu erhalten. In den großen CSD-Demos sind wir und unsere repräsentierenden Personen oft weniger sichtbar.


Dyke* – Die englische Form von Lesbe*. Mit dem Sternchen wird deutlich gemacht, dass Lesben* ganz verschieden sein können. Dykes* sind lesbisch, bi/pansexuell, queer, homosexuell, frauenliebend und können cis*, trans* und inter* sein. Lesbisch* zu leben ist zudem nicht immer oder nicht nur eine sexuelle Orientierung. Es ist auch eine widerständige Lebensweise gegen die Heteronormativität. Mit dem Begriff Heteronormativität wird benannt, dass die binäre und vermeintlich eindeutige Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität die Norm darstellen. Aktuell kämpfen unter anderem lesbische* Ehepaare dafür, dass bei der nach der Geburt eines Kindes beide direkt als Eltern eingetragen werden und nicht erst nach einem Adoptionsverfahren der*des nicht austragenden Ehepartner*in.

Trans* – Männer, Frauen und nicht-binäre Menschen, die mit dem Geschlecht, das ihnen seit ihrer Geburt zugewiesen wird, kollidieren. Das heißt oft, dass sie sich gar nicht bzw. nicht immer/vollumfänglich damit identifizieren. Bei dem Begriff trans* geht es um geschlechtliche Vielfalt, unabhängig von der Beziehungsform und der sexuellen Identität. Es gibt immer noch besondere Gesetze und Verordnungen in Deutschland, die vorschreiben, welche Prüfungen und Begutachtungen ein Mensch durchlaufen muss, um rechtlich oder medizinisch „zu transitionieren“. Rechtliche Transition bedeutet de Geschlechtseintrag im Pass korrigieren oder verbessern zu können und passende(re) Vorname/n zu wählen. Medizinische Transition bedeutet körperverändernde medizinische Maßnahmen in Anspruch nehmen „zu dürfen“ und auch, (vielleicht!) die Kosten dafür durch die Krankenkasse erstattet zu bekommen. Wichtig ist auch zu wissen, dass nicht jede trans* Person eine rechtliche und/oder medizinische Transition möchte.
(Cis: Identifikation/Arrangement mit zugewiesenem Geschlecht bei der Geburt; Personen, die nicht trans* sind.)

Inter(*) – Männer, Frauen und nicht-binäre Menschen, die Kombinationen von körperlichen Geschlechtsmerkmalen haben, die in den bisherigen Lehrbüchern für „Männer“ und „Frauen“ bislang nicht vorkommen. Auch hier geht es um die Akzeptanz und Selbstbestimmung innerhalb der geschlechtlichen Vielfalt. Aufgrund der starken Stigmatisierung und
auch weil manche Menschen es aufgrund von Tabuisierung oder unklaren Beschreibungen gar nicht von sich selbst wissen, sind inter* Personen bislang wenig öffentlich sichtbar und in besonderem Maß auf solidarische Unterstützung angewiesen. Es geht beispielsweise darum, dass Kinder mit intersex Körperlichkeiten nicht mehr durch Mediziner*innen operiert werden, um „eindeutig“ auszusehen oder um den Normerwartungen bei den Messwerten z.B. von Hormonen zu entsprechen.
(Dya: kurz für dyadisch, Personen, die einen Körper besitzen, der normativen Vorstellungen von Geschlecht entspricht; Personen, die nicht inter* sind.)

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